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Prostitution - Ein Beruf wie jeder andere?

Christa Stahel

Was ist mit unseren Behörden los? Wer kann endlich etwas tun? Diese Frage stellt sich immer wieder und immer öfter.

Im Januar 2012 haben wir vom iff-forum für frauen (http://www.iff-forum.ch) uns mit einem Schreiben betreffend das Etablissement «Extravagant», ein Bordell, das bald darauf eröffnet wurde und dessen Betreiber nicht zu eruieren ist, an Frau Hanselmann vom Gesundheitsdepartement der Stadt St. Gallen gewandt. In diesem Schreiben haben wir einige grundsätzliche Fragen aufgeworfen, die bis heute nur unbefriedigend beantwortet worden sind: «Wie bereits in unserem Schreiben vom 27. Januar 2012 ausgeführt, wurde das Konzept für das von lhnen erwähnte Bordell an der Rosenbergstrass 3 in St. Gallen durch die zuständigen städtischen Behörden bewilligt. Ebenso hat das Kantonale Arbeitsinspektorat eine Prüfung vorgenommen. Das Gesundheitsdepartement selber hat mangels Zuständigkeit keinerlei Möglichkeit der Einflussnahme auf die erteilten Bewilligungen. Dies gilt gleichermassen für die von lhnen angeprangerte Berichterstattung und Werbung mittels lnseraten im St. Galler Tagblatt. Ihren Protest müssen Sie direkt bei der Redaktion oder beim Verlag deponieren. Als Vorsteherin des Gesundheitsdepartementes habe ich die Freiheit der Berichterstattung durch die Medien zu respektieren

Vor einigen Wochen nun hat mich ein Leser unserer iff-Internetseite auf unseren damaligen Internet-Eintrag zu diesem Problem hin angesprochen. Auch er kritisiert die Art und Weise, wie mit Prostituierten umgegangen wird, aufs Schärfste. Er habe sich bei der Gesundheitsbehörde St. Gallen schriftlich gemeldet, jedoch sei die Kommunikation mit dieser Amtsstelle schwierig. Nach einem langen Gespräch mit ihm und einer anschliessenden Beratung an der Vorstandssitzung des iff habe ich mich wieder an Frau Hanselmann gewandt und nochmals auf die generellen Probleme der Prostitution hingewiesen. Und wieder kam eine ausweichende Antwort: «Das von Ihnen erwähnte Schreiben von Herrn Dr. Buser ist mir bekannt. Üblicherweise wird der eingehende Email- und Schriftverkehr durch den Generalsekretär des Departementes einer ersten Triage unterzogen und anschliessend an die zuständigen fachlichen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter zur Erledigung oder Stellungnahme weitergeleitet. Generalsekretär Roman Wüst hat das Email von Herrn Dr. Buser an Herrn Herbert Bamert, Leiter «MARIA MAGDALENA», Beratungsstelle für Frauen im Sexgewerbe, zur Stellungnahme und direkten Beantwortung weitergeleitet. Aufgrund des wenig transparenten Inhalts des Schreibens wurde entschieden, mich nicht in diese Angelegenheit einzubeziehen, sondern das Email an die zuständige Dienststelle der Kantonspolizei zur Klärung weiterzuleiten.
Nachdem ich vom erwähnten Schreiben sowie dem weiteren Schriftverkehr Kenntnis erhalten habe, erachte ich das gewählte Vorgehen als richtig. Da bereits die Kantonspolizei in die Angelegenheit involviert ist, sehe ich keine Veranlassung für weitere Aktivitäten

In Anbetracht des wirtschaftlichen Profites, den die Prostitution mit einem jährlichen Gesamtumsatz von 3,2 Milliarden Franken allein in der Schweiz einbringt (die Prostitution gehört weltweit nach dem Drogen- und Waffenhandel an dritter Stelle zu den drei lukrativsten Wirtschaftsbranchen), liegt die Vermutung nahe, dass auch St. Gallen gern ein Stück vom Kuchen haben will. Auch wenn die Frauen an ihrem «Beruf, wie jede andere auch» daran kaputt gehen. Wie viel sind Frauen wert?

30. November 2014/sta