iff-forum

 

 

Wenn wir die Männer nicht hätten …

Auch als Zürcherin lese ich täglich das St. Galler Tagblatt. Da findet sich immer wieder Interessantes und Erstaunliches.

Hier das Neueste:

Am Montag, 19. März 2018, entrüstet sich Margrit Blaser, Präsidentin SP Frauen Kanton St. Gallen, darüber, dass ein Mann den Frauen den Feminismus erklärt. Die Ankündigung der Vortragsreihe habe ich auch gelesen, doch von Zürich aus … es ist doch recht weit, und das gleich vier Mal. Also habe ich eben diesen Hinweis nicht genau genug unter die Lupe genommen. Leider.

Dass die Männer den Frauen die Welt erklären, wissen wir seit ungefähr 5'000 Jahren, als die damaligen Priesterinnen im Zweistromland aus ihren Tempeln vertrieben und durch viel fähigere Priester ersetzt wurden. Und durch den dann beginnenden Monotheismus: Der Mann ist oben, er gehört nach oben. Eben an die Spitze. Darum sind sie auch Spitzenmänner, die Männer. Heute noch. Sie wissen alles. Auch, was der Feminismus ist. Selbst, wenn sie vermutlich keinen oder nur wenige Buchstaben von Annegret Stopczyk oder Luise Pusch oder Ina Praetorius und wie sie alle heißen, gelesen haben. Sie wissen es einfach weil sie Männer sind. Offensichtlich sind sie (nicht alle, aber viele) in ihrer geistigen Entwicklung bei den Alten Griechen, vor allem bei Aristoteles, stehen geblieben: «Frauen sind 'unfruchtbare Männer'. "Die Frau ist durch ihren Mangel an natürlicher Wärme unfähig, ihren menstruellen Ausfluß bis zu jenem Punkt der Läuterung zu bringen (zu 'kochen'), wo er zum Samen würde. Ihr einziger Beitrag zum Embryo ist daher der Körper und ein 'Acker' auf dem es wachsen kann". Ihre Unfähigkeit, Samen zu produzieren, ist ihre Mangelhaftigkeit.»

Darüber habe ich mich schon im August 2002 ziemlich giftig ausgelassen, als ich noch für unser Dorfblatt die Satire-Seite schrieb. Da war doch - man lese und staune! - bei der Schweizerischen Menopausengesellschaft (auch das gibt es!) ein Mann Präsident. Diese Gesellschaft präsentiert sich so: «Wechseljahre - diese Lebensphase bedeutet für viele Frauen eine Umstellung. Wissen über die damit einhergehenden seelischen, körperlichen und hormonellen Veränderungen, aber auch über ihre Einflussmöglichkeiten sollen Ihnen helfen, positiv in diesen neuen Lebensabschnitt zu starten.» Dieses Wissen müssen die Männer doch den Frauen weitergeben. Wie sollten die denn sonst wissen, wie «es ist»?
Und heute, nach 16 Jahren? Lesen Sie:
Korrespondenzadresse: Prof. Dr. med. Christian De Geyter, Präsident der Schweizerischen Menopausengesellschaft (SMG). Der Sitz der Gesellschaft befindet sich am Arbeitsort des Sekretärs, Administration in D-35041 Marburg/Lahn. Ist ja gleich um die Ecke.

Die Beispiele könnten endlos weitergeführt werden.

Empfehlung: «Mensch, ärgere dich nicht». Denn wir Frauen werden das ändern, noch nicht diese Woche, aber in absehbarer Zeit. Jedoch bestimmt und eindeutig.

Christa Stahel

26. März 2018

____________________

 

Erhöhung des Frauen-Rentenalters

Viel ist die Rede von der AHV-Reform. Das tönt eigentlich gut und stimmt zuversichtlich. Bei näherem Hinschauen aber entdeckt frau den Wurm.

Gleiche Rechte - gleiche Pflichten, daran kann man nicht rütteln. Haben wir Frauen denn wirklich die gleichen Rechte? Dazu gehörte doch auch der gleiche Lohn für die gleiche Arbeit. Vorher können wir nicht über die Erhöhung des Frauenrentenalters reden.

Wieso bekommen die Frauen, die nicht eine 100%-Lebensarbeitszeit belegen können, weniger Rente? Die haben ja nicht jahrelang auf dem Plüschsofa Däumchen gedreht, sie haben die Familie in Schwung gehalten (ist in vielen Familien gar nicht so einfach!), haben Kinder und Mann und alte Eltern gepflegt, für den Frauenverein Kuchen gebacken, für die Weihnachtsüberraschung im Altenheim Socken gestrickt, im Familienrat (oder wie heisst das bei uns?) der Schule mitgeholfen, waren schlicht «Mädchen (sic! sind doch Frauen) für alles», ohne Bezahlung, meist ohne Dank, oft mit enormen Anstrengungen. Offenbar zählt das nicht. Das MUSS auch zählen. Das heisst: Auch die nicht-berufstätigen Frauen haben eine volle AHV zu gut, die ist ja sowieso knapp genug. Möchte mal wissen, wie die, welche die Höhe beschliessen, damit auskämen mit noch einem winzigen Pensiönchen. Zudem ZUDEM leisten die Frauen in den meisten Fällen diese «freiwillige» (hinter freiwillig setze ich ein großes Fragezeichen) Arbeit bis ins hohe Alter fort, während die Männer in der Wandergruppe oder im Kegelclub oder sonst wo mittun. Die Frauen rackern, bis sie vor Alter und Schwäche ins Altenheim oder ins Pflegeheim gebracht werden und dort von den Rechten (nicht = Richtigen) als «Rentnerschwemme» und «Sozialschmarotzer» nochmals ins Abseits geschoben werden. Das lassen wir Frauen uns einfach nicht länger gefallen. Darum: Gleiches Rentenalter NUR bei gleichen Löhnen.

Christa Stahel
10. März 2018

____________________

 

Gleichgestellte

«Weil ich ein Mädchen bin», schrieb die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» nach dem CDU-Parteitag unter ihr Titelfoto mit Angela Merkel und drei CDU-Politikerinnen. «Könnte bitte eine Politikerin einmal ihren Nachfolger öffentich 'mein Junge' nennen», twitterte daraufhin eine Frau. Sie erwarte, dass die FAZ dreissig Jahre später «diesen Mann» - selbst wenn er Bundeskanzler wird - mit Junge tituliert und seine Kollegen Minister dazu.» Dem ist nichts hinzuzufügen.

aus: WOZ, Nr. 9, Donnerstag, 1. März 2018

Christa Stahel
christa.stahel (at) gmx.ch

____________________

 

Gedanken zur Lohngleichheit

Seit jeher erhalten in der Schweiz die Frauen weniger Lohn für die gleiche Arbeit als Männer. Seit dem 1. Januar 2000 ist jedoch Lohngleichheit für gleiche Arbeit für Frauen und Männer in der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft verankert. Es gibt tatsächlich Arbeitgeber, die sich an diese Vorschrift halten.

1. Kapitel: Grundrechte

Art. 7 Menschenwürde
Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen.
Art. 8 Rechtsgleichheit
1
Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
2
Niemand darf diskriminiert werden, namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der Sprache, der sozialen Stellung, der Lebensform, der religiösen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugung oder wegen einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung.
3
 Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Gesetz sorgt für ihre rechtliche und tatsächliche Gleichstellung, vor allem in Familie, Ausbildung und Arbeit. Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.

Trotz aller Mühen hat sich die Lohnfrage für die Frauen bisher noch nicht nennenswert verbessert. Gemäß den Tagesmedien vom 5. Januar 2018 fordert die Gewerkschafterin Regula Bühlmann an der Medienkonferenz vom 4. Januar 2018 eine Lohnpolizei. Die Arbeitgeber werden sich sträuben.

Dazu meine persönliche Meinung:

Unser Lohnsystem ist falsch.

1.

•  Der Lohn ist an den Arbeitnehmer gebunden. Da stehen der Willkür tür und Tore offen.

•  Der Lohn muss an die Arbeit gebunden sein. Wer die Arbeit A macht, bekommt den Lohn A, ohne Ansehen der Person. Kinder- und andere übliche Zulagen werden wie bisher ausgerichtet, sind also nicht verhandelbar.

2.

•  Der Lohnausgleich im Zusamamenhang mit dem Lebenskostenindex wird in Prozenten berechnet. Wenn der Index um 2 Prozent steigt, steigen alle (?) Löhne um zwei Prozent. Das ist ungerecht, denn «das Brötli» kostet für die Wohlhabenden und die nicht so Wohlhabenden gleich viel mehr, 2 Prozent des Brötlipreises, nicht 2 Prozent des Lohnes. Bekommt jemand mit einem Monatslohn von 12'000 Franken 2 Prozent mehr, sind das 240 Franken. Jeden Monat. Jemand mit einem Monatslohn von 4000 Franken bekommt jedoch nur 80 Franken.

•  Der Teuerungsausgleich muss in Prozenten des Durchschnittseinkommens berechnet werden, also auf der Basis von ~7'000 Franken. Dann bekämen alle Arbeitnehmer 140 Franken mehr im Monat. Damit wäre die Teuerung durch den höheren Lebenskostenindex für alle ausgeglichen.

•  Die Firmen könnten die Personalkosten wesentlich senken, und die Schere würde nicht immer weiter auseinanderklaffen.

•  Mit einer solchen Regelung bräuchte es keine «Lohnpolizei» oder behördlichen Kontrollen oder was auch immer. Natürlich wären nicht alle Leute, aber mehr als jetzt, damit zufrieden, weil es gerechter wäre.

Christa Stahel

5. Januar 2018
christa.stahel (at) gmx.ch

____________________

 

Gedanken zur Gleichstellung

Von der Gleichstellung ist seit Beginn der Frauenbewegung die Rede, vom Kampf gegen das Patriarchat, von gleichen Rechten und Chancen für die Frauen, von der körperlichen Integrität der Frauen, vom gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Das Stimmrecht haben wir Frauen in der Schweiz tatsächlich seit 1971. In sogenannten Drittweltländern sind die Frauen seit Anfang des 20. Jahrhunderts stimmberechtigt. Die Liste kann noch lange weitergeführt werden.

Ich fange ganz vorne an mit meiner persönlichen Meinung.

Seit Anbeginn störe ich mich an der Bezeichnung «Gleichstellung der Frauen». Die Gleichstellung als Begriff impliziert eine Erhöhung auf das gleiche Niveau, meinetwegen auf ein Podest, so ähnlich wie bei der Preisverleihung an Sportanläßen. Wir Frauen sollen «erhöht» werden. Dazu muss ich energisch nein sagen, denn wir wollen nicht gnädigst auch auf dem Podest der Männer ein kleines Plätzchen haben, das sie uns höflich zugestehen, damit wir vielleicht irgendwann endlich Ruhe geben. Wir wollen nicht «auch», wir wollen, weil es uns als Menschen zusteht, etwas zu wollen. Wir wollen als ebenbürtige, autonome Menschen anerkannt sein.

Wir können den Spieß einmal umdrehen und die Männer den Frauen gleichstellen. Im Kontext hieße das: die Männer erniedrigen. Wie sähe denn das aus? Die Männer hetzten nach der Arbeit noch zum Einkaufen, holten die Kinder aus der Kita ab, bekämen für ihre Arbeit im Geschäft nur noch 80 Prozent ihres bisherigen Lohnes, leisteten unbezahlte Überzeit, engagierten sich «ehrenamtlich» für die Pflege alter Eltern, kranker Nachbarn, kranker Kinder, sie gingen zu Elterngesprächen und backten Kuchen für den Basar, könnten nur noch Teilzeit arbeiten, würden von den Frauen mitleidig als «Heimchen am Herd» belächelt.

Zum Heimchen habe ich folgendes gefunden:

Biologisch ist das Heimchen, die Hausgrille, der Klassiker unter den Futterinsekten und gehören zur Ordnung der Langfühlerschrecken. Die geduldigen Tierchen sind dabei leicht zu händeln. Denn Heimchen kommen – wie der Mensch – ursprünglich aus den Trockengebieten Afrikas, sie sind aber – im Gefolge des Menschen, das heißt des Mannes – seit langer Zeit praktisch weltweit verbreitet. Der Gesang der Männchen dient in erster Linie der Anlockung der Weibchen und der Äußerung des Paarungswunsches oder der Festlegung von Reviergrenzen. Heimchen sind Allesfresser, die sich mit kauend-beißenden Mundwerkzeugen von fast allen organischen Stoffen ernähren, weiche, abgestorbene Pflanzenreste bevorzugen, aber auch Aas und andere Insekten fressen.

Das Heimchen ist mittlerweile weltweit verbreitet, kommt allerdings in unseren Breiten als ausgesprochen Wärme und Feuchtigkeit liebende Art hauptsächlich in Gebäuden vor, im Sommer können die Tiere auch im

Freien (Mülldeponien oder in Gärten) auftreten.

Damit sind wir Frauen offenbar endgültig definiert. Meinen die Männer, aber WIR FRAUEN NICHT!

Christa Stahel

2. Januar 2018