Arbeitstagung vom 15. Oktober 2011
Frauen bewegen
Die Arbeitstagung des iff-forums vom 15. Oktober 2011 hat einmal mehr gezeigt, dass bei den Frauen viele Visionen einer gerechteren Welt vorhanden sind. Die Hoffnung, dieses Ziel zu erreichen, ist ein wertvolles Potenzial. Man(n) muss den Frauen endlich genügend Raum geben.
Rund 40 Frauen sind gekommen, um zu hören, sich zu treffen und auszutauschen. Sie wurden nicht enttäuscht.
Elisabeth Camenzind, die Initiantin und Mit-Gründerin des iff-forums, hat in ihrer Festrede einmal mehr darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, dass die Frauen eine eigene Identität und Frauen- kultur entwickeln, die gleichrangig neben der immer noch dominanten Männerkultur bestehen muss und kann.
Was eine solche gesellschaftliche Wandlung in den Frauen auslösen und bewirken kann, hat die Psychologin Irène Kummer mit viel Einfühlung, Spürsinn und fundierter Kenntnis der seelischen Mechanismen deutlich gezeigt. Ein neues Paradigma ist nötig. Auch wenn wir matriarchale Werte, kulturelle Aspekte und Rituale wieder aufleben lassen, können wir in absehbarer Zeit kein Matriarchat aufbauen. Männer fühlen sich zusehends vom traditionellen Männerbild und seinen Anforderungen überfordert. Trotzdem seht eine Emanzipation vom Patriarchat noch aus. Weiter braucht es einen Geschlechterdialog auf dem Weg zu einer neuen Geschlechterordnung auf Augenhöhe und mit entsprechenden gesellschaftlichen und politischen Strukturen. Reflexion allein genügt nicht. Eine neue Namensgebung drängt sich auf: Maternat und Paternat.
In Anlehnung an ihr Buch «Methusalems Mütter» hat die Politologin Antje Schrupp eine überzeu- gende Vision einer neuen Gesellschaftsordnung vorgestellt: eine Gesellschaft, in der niemand überflüssig ist, in der jeder einzelne Mensch seinen Platz und sein Ein- und Auskommen hat. Einiges Umdenken wäre allerdings nötig, um ein friedliches und respektvolles Miteinander zu erreichen. Neue Wohn- und Familienformen, andere Arbeitszeiten und eine zweckmässigere Arbeitsverteilung, und nicht zuletzt ein gerechteres Lohnsystem wären die wichtigsten Voraussetzungen.
Die Mythologin Vera Zingsem hat anhand der Legende von Lilith und Adam sehr lebendig deutlich gemacht, dass eine solche Gesellschaft absolut möglich wäre. Zwangsläufig haben die Zuhörerinnen aber auch verstanden, dass in unserer westlichen Kultur die Frau schon in der Schöpfungsgeschichte zweitrangig war und es geblieben ist. Das zu ändern, ist Schwerstarbeit. Doch die Veränderung wäre zum Vorteil aller.
Wie ungerecht die Sprache mit den Frauen umgeht, hat die Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch zum wiederholten Mal betont. Noch immer sind die Frauen in der männlichen Form mitgemeint, noch immer haben die Frauen für vieles keine eigene Bezeichnung, sie müssen sich mit der männlichen Nennung und einem hinweisenden Suffix begnügen. «Die Hälfte gehört den Frauen», ist Pusch's Grundtenor, nicht nur materiell, sondern auch sprachlich.
In einem intensiven Forumgespräch brachten die Zuhörerinnen anschliessend ihre Fragen und Einwände ein. Genau wollten sie es wissen, und sie erhielten auch kompetente Antworten.
Wer nicht gekommen ist, hat etwas verpasst.
Die Tagung hat Mut gemacht, wieder iff-eigene Veranstaltungen anzubieten. Wir würden uns sehr freuen, wenn auch Sie das nächste Mal dabei wären. (cs)